Der Berg ruft .....
Eine kleine Tageswanderung von der Ebene bis zum Gipfel .....
Bei Rüdiger im Keller wird die H0 US-Bahn vergrößert und in die Wendeschleife soll ein Berg als optische Trennung. Wir haben uns entschlossen, diesen Berg in einer Methode zu erstellen, die uralt ist, aber nach wie vor einige Pluspunkte bietet ....
Es geht sehr schnell!
Es kostet fast nix (für mich ein wichtiges Kriterium ;-)))
Es macht praktisch keinen Dreck!!!
Vor allem der letztgenannte Punkt ist der wesentliche, da neben der „Baustelle" die fertige Anlage steht und auch sonst in Wohnungen große Staubmengen nicht gerade willkommen sind. Diese schleppt man aber immer durch das ganze Haus, wenn mit Hartschaum, Gips und ähnlichem hantiert wird.
Das benötigte Material ist in erster Linie starker Draht und Packpapier. Als Draht verwende ich 3mm Spanndraht (Rest vom Zaunbau, bei einem Bekannten oder einer Firma fragen) als Tragegerüst. Für die Oberfläche des Berges das gute alte braune Packpapier, das knittert gut und gibt schöne, scharfkantige „Felsen". Man kann aber auch alte Tapeten verwenden oder anderes starkes Papier.
Start der Aktion war 10:30 Uhr. Das Gleis war provisorisch ausgelegt und Rüdiger hatte sich vorab so seine Gedanken gemacht .... Nach kurzer Besprechung wurde der Umriss des Berges auf die Platte gezeichnet und die Gratlinie festgelegt. Anschließend wurden entlang der angezeichneten Linie auf beiden Seiten im Abstand von ungefähr 10cm Löcher für die Drähte gebohrt. Auf der Gratlinie benötigt man noch eine Stützplatte für die Drähte, z.B. aus Hartschaum, die mit Heißkleber fixiert wird. Jetzt kommen die Drähte an die Reihe ... damit sie nicht in den Löchern durchrutschen, werden an den Enden Winkel angebogen. Die Anordnung der Drähte ist willkürlich, es ist nur zu beachten, dass man die gewünschte Form des Berges erreicht (Bild 1)
Steht das Grundgerüst, wird die Haut des Berges modelliert. Dazu kommt nur eine (!) Lage Packpapier auf das Drahtgerüst. Die Papierstücke sollten auf allen Seiten abgerissen sein (nicht schneiden!) und keine geraden Kanten mehr aufweisen, diese wären sonst hinterher zu sehen. Die einzelnen Papierstücke sollen sich großzügig überlappen (Bild 2).
Am Fuß des Berges wird das Papier angetackert und dann werden die Nahtstellen mit gering verdünntem Weißleim großzügig eingestrichen und mit dem Pinsel immer wieder angedrückt. Nach einigen Durchgängen ist das Packpapier geweicht, hat seine Spannung verloren, lässt sich gut andrücken und behält auch diese Lage (Bild 3). Die Leimmischung wird am besten vorher schon entsprechend dem späteren Streumaterial eingefärbt (z.B. Abtönfarbe) und später auch für die Begrünung verwendet.
Jetzt ist es Zeit für das Mittagessen, während dessen kann die Sache antrocknen.
Frisch gestärkt geht es nun daran, die Felsen zu malen. Dazu werden vorstehende und scharfkantige Felsformationen mit einem mittleren Grauton gestrichen. Anschließend wird mit einem groben (!) Pinsel ein dunkleres Grau und zuletzt Weiß „trocken" aufgemalt. Der Pinsel wird dazu vorher ausgestrichen, dass nur wenig Farbe in den Borsten bleibt und dann mit kurzen, schnellen Strichen immer in der gleichen Richtung über die grauen Felsflächen geführt. Je länger man daran rum malt, umso schlechter ist das Ergebnis! Es sei denn, man ist Kunstmaler (Bild 4). Nun wird mit der Leimmischung der ganze Berg eingestrichen (die grauen Felsen natürlich aussparen ;-) und mit der ersten Schicht Sand, Geröll und Grün bestreut. Hat man vorher sauber gearbeitet und für die Leimmischung die richtige Grundfarbe gewählt, reicht eine Schicht oft schon aus.
Das Ganze muss nur noch trocknen. Da es sich ja nur um eine Lage Papier handelt, ist der Berg am nächsten Tag bereits durchgetrocknet und kann nach Wunsch gestaltet werden, z.B. mit Büschen und Bäumen. Dabei kommt auch der einzige Nachteil dieser Baumethode zum Vorschein .... Steckbäume sind nicht möglich ... weil dafür kein Grund vorhanden ist, alles muss geklebt werden.
Es ist jetzt 15:15 Uhr. Wir haben nach einer rund fünfstündigen Wanderung bereits den Gipfel des Berges erreicht und da wir keinen Staub gemacht und nicht mit Leim gekleckert haben, sind wir nach dem Auswaschen der Pinsel auch schon fertig ......
......... Zeit für den Kaffee ........
Gert Weinmann